
Gute Reise, Vincent
Es fällt mir unendlich schwer, diese Zeilen zu schreiben. Denn mit jedem Wort, welches ich traurig auf dieses kalte Weiß tippe, wird etwas real, was wir selbst nur schwer begreifen wollen. Vincent ist nicht mehr da. Nach langer, schwerer Krankheit ist er am 17. Mai von uns gegangen.
Viele kannten Vincent Heiland durch unser gemeinsames Reisefestival Lichtbildarena und die Vorträge, welche in unserer damaligen Partnerschaft entstanden. Sie kannten seine humorvolle Art, seinen Abenteuermut und auch seine gewisse Nonchalance. Denn Vincent umgab immer eine spezielle Leichtigkeit, eine Unaufgeregtheit, die seinem Leben eine Basis gab. Er packte so manche (rückblickend recht verrückte) Idee in eine selbstverständliche Lockerheit, die allen um ihn herum Vertrauen schenkte. Letztlich kann man sagen, dass dies seine besondere Zauberkraft war.
Bevor Vincent seinen Weg als Reisejournalist und Lichtbildarena-Organisator fand, machte er eine Tischlerausbildung am Weimarer Nationaltheater – mitten in der Wendezeit. Später baute er keine Möbel mehr, sondern Geschichten, Bilder und Begegnungen. Doch diese Bodenständigkeit, dieses handwerkliche Arbeiten, blieb immer ein Teil von ihm. Die Freude, etwas mit eigenen Händen entstehen zu lassen, die Arbeit mit Holz und seine Naturverbundenheit ließen ihn inmitten der Coronakrise zu diesen Wurzeln zurückkehren. Er gründete seinen kleinen Handwerksbetrieb „Wurmstich“, wo er scheinbar wertlosem, wurmgeschädigtem Totholz neues Leben einhauchte. Und auch das war eine von Vincents besonderen Eigenschaften: Was andere als beschädigt ansahen, erkannte er als etwas mit Geschichte, Charakter und Schönheit.
Neben dieser eher bodenständen Seite gab es in ihm immer auch den Wunsch, unterwegs zu sein. Erst Schaffner, dann Fernfahrer: Schon als Junge schien Vincent zu ahnen, dass sein Leben nie an einem Ort bleiben würde. Die Welt, in die er 1971 in Weimar hineingeboren wurde, war zunächst begrenzt. Doch gemeinsam mit seinen Eltern bereiste er die Länder Osteuropas, sog Eindrücke auf, sammelte Bilder im Kopf, lange bevor er sie mit der Kamera festhielt. Später kamen die ersten eigenen Fahrrad- und Faltbootreisen hinzu, dann die Aufbruchsjahre nach der Wende, in denen plötzlich Wege offenstanden, die zuvor unvorstellbar gewesen waren. Für uns beide unvergesslich 1998/99 die gemeinsame Radreise von Jena nach Jemen mit vollbepackten Rädern über ein Jahr unterwegs. Diese Reise veränderte uns beide – sie war der Einstieg in unser Leben als Reisejournalisten und der Funke, aus dem später die Lichtbildarena entstand.
Vincent gehörte nie zu den Menschen, die laut erklärten, wer sie sind. Er erzählte lieber Geschichten, stellte Fragen, hörte zu. Reisen war für ihn nie bloß Bewegung durch Länder, sondern eine Haltung gegenüber dem Leben: neugierig bleiben, offen sein, dem Zufall vertrauen. Vielleicht fühlten sich deshalb so viele Menschen in seiner Nähe aufgehoben. Er hatte die seltene Gabe, Fernweh und Vertrautheit gleichzeitig entstehen zu lassen.
Mit den Vorträgen, den Reisen und schließlich der Lichtbildarena schuf Vincent nicht nur Veranstaltungen, sondern Räume der Begegnung. Orte, an denen Menschen für einen Abend die Welt größer denken konnten. Dass daraus über viele Jahre eine starke Gemeinschaft entstand, trägt unverkennbar auch seine Handschrift.
Am wichtigsten aber war Vincent die Rolle, die oft im Hintergrund blieb: die des Vaters. Mit Saba Luna und Lola hinterlässt er zwei Töchter, die sein Leben tief geprägt haben und auf die er mit stiller, selbstverständlicher Liebe blickte. Vieles von dem, was ihn ausmachte – seine Neugier auf die Welt, seine Wärme, sein Humor und diese besondere Freiheit im Denken – gab er an sie weiter. Er lebte ihnen stets vor, dass man den eigenen Weg mit Offenheit, Mut und Menschlichkeit gehen kann. Seine Töchter waren für ihn sein eigentliches Zuhause.
Nun bleibt die Stille nach einem Menschen, der so viel Bewegung in die Welt gebracht hat. Und dennoch ist da weiterhin etwas von ihm spürbar: in Geschichten, die weitererzählt werden, in Bildern, die bleiben, in Holz, das durch seine Hände ein zweites Leben bekam, und in der Erinnerung an einen Menschen, der anderen Mut machte, loszugehen – oft weiter, als sie es sich selbst zugetraut hätten.

Liebe Lichtbildarena-Freunde,
wenn ich in all den Jahren des Reisens, des Begegnens, der Lichtbildarena eines gelernt habe, dann dass die Wege des Lebens niemals Einbahnstrecken sind. Corona und all seine Unwägbarkeiten haben mich in den vergangenen Jahren auf den Esel gebracht, mich Thüringen entdecken lassen und mir gezeigt, dass Glück nicht nur in der Ferne liegt.
Und doch… Vielleicht ahnt ihr es an dieser Stelle schon: 2023 zieht es mich mal wieder in die Ferne. Die Lichtbildarena – so sehr sie mir auch am Herzen liegt – wird daher erst einmal ein Jahr pausieren. Diese Entscheidung war ein schwerer Schritt für mich, doch die Sehnsucht und die Lust nach Ferne und Abenteuer sind groß und diesen Nachzugehen, war für mich schon immer das Wichtigste. Natürlich halte ich euch auf unseren Social Media Kanälen auf dem Laufenden. Wem das nicht reicht, der kann mich auf einer von mir geführten Eseltour um Jena während meiner Schaffenspause selbst besuchen. Die Termine und genaueren Infos dazu findet ihr auf:
Bis dahin, genießt das Leben und folgt euren Träumen!
Mit tropischen Stränden, schroffer Bergwelt, üppigen Regenwäldern und einer reichhaltigen Kultur ist Sri Lanka ein wahres Traumziel. Unterwegs mit ihrem knallroten TukTuk taucht die Fotojournalistin Barbara Vetter und ihre vierköpfige Familie in die Welt der Elefanten Sri Lankas ein. Drei Monate lang begleiten sie den Elefantenflüsterer Sumanabanda und seinen Elefantenbullen Raja. Das Tier wird für das wichtigste buddhistische Tempelfest des Landes vorbereitet. Das prekäre an diesem Auftrag: Raja hat bereits zwei Mahuts getötet. Barbara Vetter ist Sri Lanka tief verbunden: Sie engagiert sich in einem Schulprojekt, spricht über Konflikte zwischen Glaubens- und Bevölkerungsgruppen und die Auswirkungen von Naturkatastrophen, die bis heute das Land beschäftigen.
◼ Historischer Marktplatz Jena, Eintritt frei!
Cornwall ist durch den Atlantischen Ozean, den Ärmelkanal und die Keltische See von drei Seiten mit Wasser umgeben. Martin Engelmann‘s Weg führt zurück in magische Zeiten, welche die moderne Welt schon beinahe vergessen hat. Der Innsbrucker Profifotograf begibt sich auf einen bildgewaltigen Streifzug durch die Grafschaften Dorset, Devon, Wiltshire, Somerset bis nach Cornwall. Martin Engelmanns neue Live-Show ist eine beeindruckende Symbiose aus imposanten Bild- und Videoaufnahmen sowie leidenschaftlichem Reisejournalismus. Spüre selbst die Magie Südenglands…
◼ Ab ca. 19.30 Uhr ist die Backstage Kamera freigeschaltet.