Nach­ruf Vin­cent Heiland

Altstadtfest2017-09-18_Pano

Gute Rei­se, Vincent!

Es fällt mir unend­lich schwer, die­se Zei­len zu schrei­ben. Denn mit jedem Wort, wel­ches ich trau­rig auf die­ses kal­te Weiß tip­pe, wird etwas real, was wir selbst nur schwer begrei­fen wol­len. Vin­cent ist nicht mehr da. Nach län­ge­rer, schwe­rer Krank­heit ist er am 17. Mai 2026 von uns gegangen.

 

Vie­le kann­ten Vin­cent Hei­land durch unser gemein­sa­mes Rei­se­fes­ti­val Licht­bilda­re­na und die Vor­trä­ge, wel­che in unse­rer dama­li­gen Part­ner­schaft ent­stan­den. Sie kann­ten sei­ne humor­vol­le Art, sei­nen Aben­teu­er­mut und auch sei­ne gewis­se Non­cha­lance. Denn Vin­cent umgab immer eine spe­zi­el­le Leich­tig­keit, eine Unauf­ge­regt­heit, die sei­nem Leben eine Basis gab. Er pack­te so man­che (rück­bli­ckend recht ver­rück­te) Idee in eine selbst­ver­ständ­li­che Locker­heit, die allen um ihn her­um Ver­trau­en schenk­te. Letzt­lich kann man sagen, dass dies sei­ne beson­de­re Zau­ber­kraft war.

 

Bevor Vin­cent sei­nen Weg als Rei­se­jour­na­list und Lichtbildarena-Organisator fand, mach­te er eine Tisch­ler­aus­bil­dung am Wei­ma­rer Natio­nal­thea­ter – mit­ten in der Wen­de­zeit. Spä­ter bau­te er kei­ne Möbel mehr, son­dern Geschich­ten, Bil­der und Begeg­nun­gen. Doch die­se Boden­stän­dig­keit, die­ses hand­werk­li­che Arbei­ten, blieb immer ein Teil von ihm. Die Freu­de, etwas mit eige­nen Hän­den ent­ste­hen zu las­sen, die Arbeit mit Holz und sei­ne Natur­ver­bun­den­heit lie­ßen ihn inmit­ten der Coro­na­kri­se zu die­sen Wur­zeln zurück­keh­ren. Er grün­de­te sei­nen klei­nen Hand­werks­be­trieb „Wurm­stich“, wo er schein­bar wert­lo­sem, wurm­ge­schä­dig­tem Tot­holz neu­es Leben ein­hauch­te. Und auch das war eine von Vin­cents beson­de­ren Eigen­schaf­ten: Was ande­re als beschä­digt ansa­hen, erkann­te er als etwas mit Geschich­te, Cha­rak­ter und Schönheit.

 

Neben die­ser eher boden­stän­den Sei­te gab es in ihm immer auch den Wunsch, unter­wegs zu sein. Erst Schaff­ner, dann Fern­fah­rer: Schon als Jun­ge schien Vin­cent zu ahnen, dass sein Leben nie an einem Ort blei­ben wür­de. Die Welt, in die er 1971 in Wei­mar hin­ein­ge­bo­ren wur­de, war zunächst begrenzt. Doch gemein­sam mit sei­nen Eltern bereis­te er die Län­der Ost­eu­ro­pas, sog Ein­drü­cke auf, sam­mel­te Bil­der im Kopf, lan­ge bevor er sie mit der Kame­ra fest­hielt. Spä­ter kamen die ers­ten eige­nen Fahrrad- und Falt­boot­rei­sen hin­zu, dann die Auf­bruchs­jah­re nach der Wen­de, in denen plötz­lich Wege offen­stan­den, die zuvor unvor­stell­bar gewe­sen waren. Für uns bei­de unver­gess­lich 1998/99 die gemein­sa­me Rad­rei­se von Jena nach Jemen mit voll­be­pack­ten Rädern über ein Jahr unter­wegs. Die­se Rei­se ver­än­der­te uns bei­de – sie war der Ein­stieg in unser Leben als Rei­se­jour­na­lis­ten und der Fun­ke, aus dem spä­ter die Licht­bilda­re­na entstand.

 

Vin­cent gehör­te nie zu den Men­schen, die laut erklär­ten, wer sie sind. Er erzähl­te lie­ber Geschich­ten, stell­te Fra­gen, hör­te zu. Rei­sen war für ihn nie bloß Bewe­gung durch Län­der, son­dern eine Hal­tung gegen­über dem Leben: neu­gie­rig blei­ben, offen sein, dem Zufall ver­trau­en. Viel­leicht fühl­ten sich des­halb so vie­le Men­schen in sei­ner Nähe auf­ge­ho­ben. Er hat­te die sel­te­ne Gabe, Fern­weh und Ver­traut­heit gleich­zei­tig ent­ste­hen zu lassen.

 

Mit den Vor­trä­gen, den Rei­sen und schließ­lich der Licht­bilda­re­na schuf Vin­cent nicht nur Ver­an­stal­tun­gen, son­dern Räu­me der Begeg­nung. Orte, an denen Men­schen für einen Abend die Welt grö­ßer den­ken konn­ten. Dass dar­aus über vie­le Jah­re eine star­ke Gemein­schaft ent­stand, trägt unver­kenn­bar auch sei­ne Handschrift.

 

Am wich­tigs­ten aber war Vin­cent die Rol­le, die oft im Hin­ter­grund blieb: die des Vaters. Mit Saba Luna und Lola hin­ter­lässt er zwei Töch­ter, die sein Leben tief geprägt haben und auf die er mit stil­ler, selbst­ver­ständ­li­cher Lie­be blick­te. Vie­les von dem, was ihn aus­mach­te – sei­ne Neu­gier auf die Welt, sei­ne Wär­me, sein Humor und die­se beson­de­re Frei­heit im Den­ken – gab er an sie wei­ter. Er leb­te ihnen stets vor, dass man den eige­nen Weg mit Offen­heit, Mut und Mensch­lich­keit gehen kann. Sei­ne Töch­ter waren für ihn sein eigent­li­ches Zuhause.

 

Nun bleibt die Stil­le nach einem Men­schen, der so viel Bewe­gung in die Welt gebracht hat. Und den­noch ist da wei­ter­hin etwas von ihm spür­bar: in Geschich­ten, die wei­ter­erzählt wer­den, in Bil­dern, die blei­ben, in Holz, das durch sei­ne Hän­de ein zwei­tes Leben bekam, und in der Erin­ne­rung an einen Men­schen, der ande­ren Mut mach­te, los­zu­ge­hen – oft wei­ter, als sie es sich selbst zuge­traut hätten.

EureBarbara
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